In zwei Tagesetappen geht es von Kautokeino über Vittangi und Gällivare nach Jokkmokk. Vom Campingplatz mit dem Arctic-Krokodil geht zu einem gut ausgestatteten Rastplatz ein paar Kilometer nördlich von VIttangi am Lannan-Kokkajärvi bis zum Skabram Camping drei Kilometer westlich von Jokkmokk.
Wir steuern einen Rastplatz am Silisjávri (69,60812° N, 23,49183° O) an. Der See liegt etwa 334 Meter über dem Meeresspiegel und hat eine Fläche von rund 7,1 km². Hier befinden wir uns 10 km nördlich zur finnischen Grenze. Wir fahren in diesen beiden Tagen von Norwegen durch Finnland bis Schweden.
Am Ortsende von Utsjoki befindet dich die Brücke über die/den Tanaelva / Tenojoki). Er bildet auf einer Länge von 256 Kilometern (von insgesamt 348 km, wenn man den Quellfluss Kárášjohka mitzählt) die natürliche Grenze zwischen Norwegen und Finnland.
Foto von der Brücke ausserhalb Utsjoki
Für die indigene Bevölkerung, die Samen, ist der Fluss seit Jahrtausenden die Lebensgrundlage. Auf dem Tenojoki sieht man oft die typischen, langen und schmalen Holzboote. Sie wurden speziell entwickelt, um die flachen, aber extrem strömungsreichen Abschnitte und Stromschnellen zu bewältigen. Die Samen entwickelten über Jahrhunderte eigene, nachhaltige Fangmethoden wie das pato (Wehrfischerei) und das Treibnetzangeln vom Boot aus, die streng reglementiert und tief in der lokalen Kultur verankert sind.
Da die Entfernungen in Lappland gigantisch sind und die samische Bevölkerung sehr verstreut lebte, war der sonntägliche Gang zur Kirche im 18. und 19. Jahrhundert eine halbe Weltreise. Die Menschen reisten oft tagelang mit Booten oder Rentierschlitten an.
Um vor Ort zu übernachten, bauten sich die einzelnen Samenfamilien eigene kleine Holzhütten direkt in der Nähe der Kirche. Genutzt wurden sie vor allem an großen kirchlichen Feiertagen, aber auch, um Märkte zu besuchen, Steuern zu zahlen oder Gerichtsverfahren zu führen.
Die Kirchhütten sind alte Gebäude im Besitz samischer Familien. Darüber hinaus gibt es auf dem Gelände eine Gerichtshütte (heute ein Souvenirladen) und die Hütte des Vogts (heute ein Cafê mit guten Waffeln) Die Hütten waren bis Mitte der 1940er Jahre in Gebrauch und einige wurden zwischendurch an andere Orte versetzt. An ihren ursprünglichen Standorten befinden sich die Gerichtshütte und die Hütte des Katecheten Holmberg. Die Kirchhütten stehen unter dem Schutz der finnischen Denkmalschutzbehörde (Museovirasto).
Wir besuchen zur Lösung unserer Aufgaben den Waldfriedhof in Inari. Eingebettet in einen Kiefernwald sind die Grabstätten angelegt. Ein Teilabschnitt des Friedhofs dient als letzte Ruhestätte zahlreicher legendärer Goldgräberveteranen, die vor allem in den Gebieten rund um den Lemmenjoki und den Ivalojoki nach dem großen Glück suchten. Heute befinden sich auf der Parzelle weit über 50 Gräber von echten Goldgräber-Originalen (wie etwa Väinö Hoppu, genannt „Hopputon Hoppu“ / Der Eilelose).
Die Grabstätte wird von zwei markanten Denkmälern geprägt: einem alten traditionellen Kiefernholzkreuz (honkaristi) und dem markanten Denkmal namens Emäsuoni (Mutterader).
Es handelt sich um ein mächtiges, wuchtig gezimmertes Kreuz aus Honka. Das ist im Finnischen der Begriff für das Holz sehr alter, langsam gewachsener, oft abgestorbener Kiefern (Kelo-Holz). Dieses Holz ist extrem witterungsbeständig und überdauert im arktischen Klima Jahrzehnte, ohne zu verrotten. Es nimmt mit den Jahren eine silbergraue Färbung an. Die Namen der Goldschürfer incl. Geburtstag- und Sterbedaten sind auf den goldenen Plaketten eingraviert. Das Kreuz wurde bereits in den Anfängen der Parzelle errichtet. Es verkörpert den rauen Geist der Wildnis und ist oft der Ort, an dem bei Gedenkveranstaltungen des Goldgräberverbandes Kränze niedergelegt werden.
In Finnland, zumindest in der Region Lappland, gab es vor den Kriegen bekanntermaßen ein florierendes System von Poststationen (Kestikievari). Die Idee dahinter war, dass diese Herbergen in regelmäßigen Abständen liegen mussten, damit Reisende, Landarbeiter und, Goldsucher und andere Abenteurer auf ihren Wegen eine Unterkunft für die Nacht fanden. An genau dieser Stelle befand sich einst eine solche Poststation. Ganz genaue Informationen darüber oder über den genauen Zeitraum gibt es zwar nicht, aber das Fundament und der Keller des Gebäudes sind immer noch leicht zu finden1. Der Keller hier ist mit Müll verunreinigt.
Es existieren noch Teile des Fundaments und links sieht man die Abdeckung des Kellers.
Die historische Poststation „Paljakainen“
Nördlich des Berges Kaunispää, unterhalb des berüchtigten Straßenabschnitts Magneettimäki (Magnetberg), fließen der Fluss Alajoki und der Paljakaisenjoki zusammen. Genau dort im Mündungsbereich befand sich die historische Stätte Paljakainen. Das Gebäude wurde ursprünglich im Jahr 1893 als Wildnishütte direkt am historischen Ruijan polku errichtet, um Wanderern und Postboten Schutz zu bieten. Später wurde die Hütte renoviert und zu einem richtigen Gasthof ausgebaut. In ihrer Blütezeit war sie eine wichtige und recht große Station für Reisende in den Norden. Zum Hof gehörten unter anderem ein Stall für sechs Pferde, ein Kuhstall für zwei Kühe, ein Heuschober, ein Vorratsspeicher (Aitta) und natürlich eine Sauna. Wie fast die gesamte Infrastruktur Lapplands wurde auch die Anlage am Paljakaisenjoki während des Lapplandkrieges (1944–1945) beim Rückzug der deutschen Truppen komplett niedergebrannt.2
Die ehemalige Poststation wurde mit einem traditionellen Geocache versehen. Bei der Routenplanjng entdeckte Brigitte die Beschreibung. Dabei mussten wir den Paljakaisenjoki überqueren. Im Hintergrund sieht man die Brücke für die Motorschlittenroute (Kelkkareitti) sowie einen Luontopolku (Naturpfad) entlang des alten Postweges.
Wie so oft hören wir die Tropfen am Morgen am Womodach und schlafen noch weiter. Ich werde gegen 07:00 wach, schreibe einen Artikel am tablet und schlafe dann noch mal kurz ein. Brigitte geniesst den Schlaf bis ich sie wecke. Heute war es 09:30 und als ich ich die Womotür öffne, waren wir die einzigen Camper:innen am Platz.
Der Kaunispää ist einer der bekanntesten und markantesten Rundhöckerberge in Finnisch-Lappland. Er liegt direkt beim Ferienort Saariselkä in der Gemeinde Inari, etwa 250 Kilometer nördlich des Polarkreises. Mit seiner Höhe von 437 Metern hat man aufgrund der Lage oberhalb der Baumgrenze einen spektakulären 360-Grad-Panoramablick über das angrenzende Urho-Kekkonen-Nationalparkgebiet und die Hügelketten bis zur russischen Grenze. Wir heute wetterbedingt nicht. Am Panoramabild unten sieht man was sich gerade auf uns zubewegt. Eine halbe Stunde hat es geschüttet.
Wir machen Zwischenstopp in Sodankylä und nutzen die Infrastruktur zum Auffüllen unseres Lebensmittelvorrats. Dazu steuern wir den S-Market 67.4137° N (67° 24′ 49.3″ N), 26.5925° O (26° 35′ 33.0″ O) an. Auf dem geräumigen Parkplatz können wir auch das Womo während unseres Stadtrundgangs parken.
Die bronzene Statue wurde von dem bekannten finnischen Bildhauer Ensio Seppänen (1924–2008) geschaffen und im Jahr 1970 feierlich enthüllt.
Es wurde errichtet, um die enorme, entbehrungsreiche Arbeit zu würdigen, die die Menschen in Lappland in den kargen Bergen und Wäldern geleistet haben. Die Rentierzucht war (und ist bis heute) eine der wichtigsten Lebensgrundlagen in der Region. In Sodankylä leben übrigens heute noch rund 20.000 Rentiere – das sind weit mehr als doppelt so viele Tiere wie menschliche Einwohner (ca. 8.000).
Die Bilder stammen von den Wänden der Museums-Galerie Andreas Alariesto.
Andreas Alariesto war ein lappländischer Maler, Fotograf und Bildhauer aus der Region Sompio. Das Besondere an ihm: Er war ein reiner Autodidakt und hatte nie eine Kunstschule besucht. Seine Berühmtheit erlangte er erst in den 1970er Jahren – im stolzen Alter von 75 Jahren –, als die sogenannte Naive Kunst (ein unbeschwerter, oft farbenfroher und detailreicher Malstil) in Finnland sehr populär wurde. Er verstarb im Jahr 1989 im Alter von 88 Jahren direkt in Sodankylä.
In der Beschreibung zu diesem Wanderweg (hin und retour 7,5km) steht:
Der Weg führt Sie über bewaldete Hügel und Holzstege hinauf zum höchsten Gipfel von Kuusamo (492 m). Oben angekommen belohnt Sie eine alte, historische Tageshütte (Valtavaaran päivätupa) und ein grandioser Panoramablick. Unterwegs lädt zudem das Valtavaara Campfire Shelter zu einer Rast ein.
Was hier blau durch schimmert ist der See Hirsilampi.
Auf den Fotos sieht man nicht die kleinen Flugobjekte, die sich als Gelsen oder Moskito tarnen, und den Wander:innen, vor allem wenn sie stehen bleiben, zusetzen. An Aussichtspunkten, wo der Wind kräftig weht, haben sie dann keine Chance. Dank Brigittes Spezialtinktur können wir sie uns halbwegs vom Leib halten. Das Mittel wirkt ca. 1,5 Stunden. Die Finn:innen, wir haben ein Ehepaar getroffen, das gut Deutsch sprach, sind mit kurzer Hose unterwegs. Wir haben an einem finnisches Mittel geschnuppert, das gegen Mücken schützt und aus Pechöl hergestellt wird, bei dem Geruch belästigt dich kein Insekt und es schützt auch menschlicher Annäherung.
Wir übernachteten mit anderen Camp:innen auf einem Parkplatz am Hafen und Freizeitgelände in Suomusssalmi. Am Vorabend haben wir einen Einblick in die Situation der Jugendlichen bekommen, da hier im Freizeitbereich ein Treffpunkt für viele junge Menschen sein dürfte..Wie groß das Alkohol- oder Drogenproblem ist können wir nicht sagen, aber es war sichtbar.
Heute machten wir nach dem Adventure Shopping, so nenne ich das gemeinsame Einkaufen im Urlaub, Station beim Stillen Volk einige Kilometer außerhalb der Stadt.
Mir ist beim Betrachten der Performance der Begriff „das vergessene Volk“ eingefallen. Hier in Finnland und Skandinavien die Samen, die jahrhundertelang um ihre Rechte und Anerkennung kämpfen. Das gilt auch für Berufsgruppen, wie Reinigungspersonal, Menschen, die bei der Müllabfuhr arbeiten, oder Essensliefefant:innen, die sich oftmals nur über ihre Gewerkschaft Gehör ver schaffen können. In einer Gesellschaft, die so intensiv von Reizen, Influencer, Highlights, Rekorden und Schreckensnachrichten getrimmt ist, gibt es viele stille (vergessene) „Völker“.
Manamansalo ist berühmt für ihre über 80 Kilometer lange Küstenlinie, die weite, feine Sandstrände und bis zu 30 Meter hohe Sandufer im Norden bietet. Das ist für finnische Binnenseen sehr außergewöhnlich.
Sie ist die größte Insel des riesigen Oulujärvi-Sees (dem fünftgrößten See Finnlands) und gehört zum Rokua UNESCO Global Geopark. Sie liegt in der Provinz Kainuu in Mittelfinnland. Der Oulujärvi-See kann aus gutem Grund als das Meer von Kainuu bezeichnet werden: Er enthält beispielsweise zwei der größten offenen Binnengewässer Finnlands. Das nördlichste davon, Niskanselkä, beherbergt Finnlands einziges Wandergebiet in einem Binnengewässergebiet.
Der Name stammt am wahrscheinlichsten von alten nordsamischen Begriffen ab und bedeutet übersetzt in etwa „Insel der sandigen Wälder, auf der es leicht ist, die Toten zu begraben“. Laut einer lokalen Volkssage entstand die Insel jedoch ganz anders: Ein wütender Riese soll ein riesiges Stück Land aus einem Nachbarsee gerissen und es in den Oulujärvi-See geschleudert haben.
31 Geocaches konnten wir bei unseren Touren auf der Insel heben. Herzlichen Dank an die Owner für das Auslegen und Warten der Tradis.
Dabei folgten wir manch mystischen Zeichen in den finnischen Wäldern.