Juhls’ Silbergalerie In Kautokeino

Ein Besuch mit einem glitzernden Effekt

Klassischerweise stellten die Samen (die Ureinwohner Lapplands), die oft als Rentierzüchter nomadisch lebten, ihren Silberschmuck lange Zeit nicht selbst her. Sie erwarben Silber im Tauschhandel aus Russland, dem Baltikum oder Südskandinavien. Silber hatte in ihrer Kultur einen extrem hohen Stellenwert – es war Zahlungsmittel, Statussymbol und Schutzamulett.

Regine Juhls (eine Deutsche) und Frank Juhls (ein Däne) kamen in den 1950er Jahren unabhängig voneinander als Auswander:innen nach Kautokeino, um das raue Leben im Norden kennenzulernen. Sie verliebten sich ineinander und in die Kultur.

Da es im Ort niemanden gab, der den traditionellen Schmuck der Samen reparieren konnte, baten die Einheimischen die beiden um Hilfe, da sie handwerklich und künstlerisch geschickt waren.  Aus dieser improvisierten Reparaturwerkstatt entstand 1959 die erste Silberschmiede der Finnmark. 

Weiterlesen

Geocaching in der Finnmark entlang der E6

Wir starten in Olderfjord mit einem Tankstellenstopp und nutzen hier auch die Gelegenheit wieder einmal AdBlue nachzutanken. Brigitte hat am Vortag jene Geocaches rausgesucht, wo in der Nähe auch ein Parkmöglichkeit für unser Womo vorhanden ist. Dabei nutzen wir auch die vorhandenen Pfade, um möglichst schonend mit der Natur umzugehen. Den Müll, den wir mitnehmen können, entsorgen wir in den nächsten Mülltonnen – die Spuren der Zivilisation sind vielfältig.

Caperaflechte

Ich bin kein Flechtenexperte, aber von den Fotos die mir bei der Auswahl zur Verfügung standen, habe ich mich für diese Art entschieden. Sie wächst meist auf Bäumen und in der Tundra auf kalkarmen Böden.
Flechten in der Kälte der Finnmark nur Bruchteile eines Millimeters pro Jahr wachsen, kann ein handtellergroßer Fleck auf dem Boden oder Stein locker 100 Jahre oder älter sein. Wenn man die Flechte anfasst, fühlt sie sich bei trockenem Wetter oft ganz brüchig und papierartig an – sobald es im Norden aber regnet oder neblig wird, saugt sie sich voll, wird elastisch und beginnt sofort mit der Photosynthese. Ein echter Überlebenskünstler auf dem kargen Tundraboden!

Durch die extremen Bedingungen – schwere Schneelasten im Winter, eisige Winde und der Permafrost im Boden – wachsen die Birken oft nicht gerade nach oben. Sie sind niedrig, knorrig, tief verzweigt und windgepeitscht, was den Wäldern ein fast märchenhaftes, uriges Aussehen verleiht.

Bei den Bäumen handelt es sich meist um die Moor-Birke auf Norwegisch Fjellbjørk). Sie bildet die klimatische Waldgrenze zur arktischen Tundra.
So widerstandsfähig diese Wälder gegen Kälte sind, so anfällig sind sie für einen winzigen Bewohner: die Raupen des Birkenspanners (fjellbjørkemåler).

In zyklischen Abständen (etwa alle zehn Jahre) kommt es zu Massenvermehrungen. Die Raupen fressen dann im Hochsommer ganze Hektare des Waldes komplett kahl. Große, grau-braune Flächen aus scheinbar abgestorbenen Stämmen sind die Folge.

Zwar erholen sich die Birken oft nach einigen Jahren wieder, doch der Klimawandel begünstigt mildere Winter, wodurch sich die Schädlinge weiter nach Norden und in höhere Lagen ausbreiten können.

Weiterlesen

Das Leuchtfeuer am Ende des Kontinents – Slettnes Fyr

Hier mit einem weissen Rentier im Vordergrund

Der Leuchtturm wurde zwischen 1903 und 1905 errichtet, um den Seeweg zwischen Honningsvåg und Vardø sicherer zu machen.  
Während des Zweiten Weltkriegs nutzten die deutschen Besatzungstruppen den Turm als Beobachtungsposten. Beim erzwungenen Rückzug der Wehrmacht im Herbst 1944 (Taktik der „verbrannten Erde“) wurde die gesamte Station gesprengt. Nur die untere Hälfte des gusseisernen Turms überstand die Detonation.  
In den Jahren 1945 bis 1948 wurde die Anlage wiederaufgebaut. Da man den beschädigten Turm reparierte, statt ihn komplett zu ersetzen, ist Slettnes Fyr heute der einzige verbliebene gusseiserne Leuchtturm in der gesamten Finnmark – alle anderen zerstörten Türme der Region wurden nach dem Krieg aus Beton neu errichtet. 

Weiter bei unserem Spaziergang am Ende des Kontinents

Mehamn und ein Cafê im nördlichsten Christmasmuseum der Welt

Unser nächstes Ziel ist der Ort Mehamn, den wir nur von unseren Hurtigrutenreisen als nördlichsten Hafen der Schiffsreise kennen. Vom Børselvfjell, wo wir die Nacht verbrachten schlängelte sich die Strasse 888 entlang der Mehamnelva zum Fischerort Mehamn an der Barentsee auf der Nordkinn-Halbinsel.

Auf der Suche nach einem Cafê bevor wir unsere Geocachingtour hier starteten landeten wir im nördlichsten Weihnachtsmuseum der Welt. Hier findet man über 27.000 Weihnachtsartikel, Weihnachtsmann-Figuren (Nisser) und Festtagsdekorationen. Es gilt damit als die größte bekannte private Sammlung dieser Art weltweit.
Am Vorabend war hier auch das Public-Viewing vom Spiel der norwegischen Fussballnationalmannschaft und die Nacht dauerte bis 5 Uhr früh. Der Wirt war noch ziemlich mitgenommen und wir bekamen zwei Tassen Cappucicno aus einem kleinen Kaffeeautomaten.

Weiter auf unserer Tour durch Mehamn

Eine Nacht am Børselvfjell im arktischen Sommer

Wir fahren Ilfjord aus in Richtung der Nordkyn-Halbinsel nach Mehamn. Das Børselvfjell ist einer der zwei großen Pässen (neben dem noch höheren Ifjordfjellet), die wir dabei überqueren müssen, Der Pass erreicht seinen Scheitelpunkt auf einer eher mäßig wirkenden Höhe von lediglich 176 Metern über dem Meeresspiegel (moh.). Trotz der geringen absoluten Höhe liegt die gesamte Passage aufgrund der extremen nördlichen Breite weit über der arktischen Baumgrenze.

Bei einem abendlichenSpaziergang über das Fjell gegen 21:00 Uhr machten wir diese Fotos. Wir hörten nur das Pfeifen des Windes, das Rauschen vom Wasser am See und das Zwitschern einzelner Vögel.

Für den See Fan ich die Bezeichnungen Tårnvika und Krokvik.

Die Gegend hier ist eine weite, baumlose Tundra- und Hochebene. Sie ist geprägt von karger, rauer arktischer Vegetation, steinigen Böden und freiem Blick auf die umliegenden weiten Hügelketten.

Wir waren hier völlig auf uns allein gestellt, es gab keinen Handyempfang und manchmal ein Fahrzeug am Weg nach Mehamn oder Ilfjord. Im Holzbauwerk rechts von uns gab es eine behindertengerechte Toilette (Plumpsklo), die wöchentlich gereinigt wurde, und windgeschützte Sitzgelegenheiten mit einer Feuerstelle. Das Holz musste man selbst mitbringen.

Weiterlesen

Mit einem Fuß in Norwegen und Finnland

Am Ortsende von Utsjoki befindet dich die Brücke über die/den Tanaelva / Tenojoki). Er bildet auf einer Länge von 256 Kilometern (von insgesamt 348 km, wenn man den Quellfluss Kárášjohka mitzählt) die natürliche Grenze zwischen Norwegen und Finnland. 

Foto von der Brücke ausserhalb Utsjoki

Für die indigene Bevölkerung, die Samen, ist der Fluss seit Jahrtausenden die Lebensgrundlage.
Auf dem Tenojoki sieht man oft die typischen, langen und schmalen Holzboote. Sie wurden speziell entwickelt, um die flachen, aber extrem strömungsreichen Abschnitte und Stromschnellen zu bewältigen. Die Samen entwickelten über Jahrhunderte eigene, nachhaltige Fangmethoden wie das pato (Wehrfischerei) und das Treibnetzangeln vom Boot aus, die streng reglementiert und tief in der lokalen Kultur verankert sind.

weiter am Tenojoki

Das nördlichste Freilichtmuseum von Finnland – das Kirchhüttendorf bei Utsjoki

Da die Entfernungen in Lappland gigantisch sind und die samische Bevölkerung sehr verstreut lebte, war der sonntägliche Gang zur Kirche im 18. und 19. Jahrhundert eine halbe Weltreise. Die Menschen reisten oft tagelang mit Booten oder Rentierschlitten an.

Um vor Ort zu übernachten, bauten sich die einzelnen Samenfamilien eigene kleine Holzhütten direkt in der Nähe der Kirche. Genutzt wurden sie vor allem an großen kirchlichen Feiertagen, aber auch, um Märkte zu besuchen, Steuern zu zahlen oder Gerichtsverfahren zu führen.

Die Kirchhütten sind alte Gebäude im Besitz samischer Familien. Darüber hinaus gibt es auf dem Gelände eine Gerichtshütte (heute ein Souvenirladen) und die Hütte des Vogts (heute ein Cafê mit guten Waffeln) Die Hütten waren bis Mitte der 1940er Jahre in Gebrauch und einige wurden zwischendurch an andere Orte versetzt. An ihren ursprünglichen Standorten befinden sich die Gerichtshütte und die Hütte des Katecheten Holmberg. Die Kirchhütten stehen unter dem Schutz der finnischen Denkmalschutzbehörde (Museovirasto).

Weiter bei unserem Rundgang im Kirchhüttendorf

Die Goldsucher am Friedhof Inari

Wir besuchen zur Lösung unserer Aufgaben den Waldfriedhof in Inari. Eingebettet in einen Kiefernwald sind die Grabstätten angelegt.
Ein Teilabschnitt des Friedhofs dient als letzte Ruhestätte zahlreicher legendärer Goldgräberveteranen, die vor allem in den Gebieten rund um den Lemmenjoki und den Ivalojoki nach dem großen Glück suchten.
Heute befinden sich auf der Parzelle weit über 50 Gräber von echten Goldgräber-Originalen (wie etwa Väinö Hoppu, genannt „Hopputon Hoppu“ / Der Eilelose).

Die Grabstätte wird von zwei markanten Denkmälern geprägt: einem alten traditionellen Kiefernholzkreuz (honkaristi) und dem markanten Denkmal namens Emäsuoni (Mutterader).

Es handelt sich um ein mächtiges, wuchtig gezimmertes Kreuz aus Honka. Das ist im Finnischen der Begriff für das Holz sehr alter, langsam gewachsener, oft abgestorbener Kiefern (Kelo-Holz). Dieses Holz ist extrem witterungsbeständig und überdauert im arktischen Klima Jahrzehnte, ohne zu verrotten. Es nimmt mit den Jahren eine silbergraue Färbung an.
Die Namen der Goldschürfer incl. Geburtstag- und Sterbedaten sind auf den goldenen Plaketten eingraviert.
Das Kreuz wurde bereits in den Anfängen der Parzelle errichtet. Es verkörpert den rauen Geist der Wildnis und ist oft der Ort, an dem bei Gedenkveranstaltungen des Goldgräberverbandes Kränze niedergelegt werden.

Weiter zum Denkmal „Mutterader“

Die Reste einer ehemaligen Poststation (Kestikievari) in Lappland

In Finnland, zumindest in der Region Lappland, gab es vor den Kriegen bekanntermaßen ein florierendes System von Poststationen (Kestikievari). Die Idee dahinter war, dass diese Herbergen in regelmäßigen Abständen liegen mussten, damit Reisende, Landarbeiter und, Goldsucher und andere Abenteurer auf ihren Wegen eine Unterkunft für die Nacht fanden. An genau dieser Stelle befand sich einst eine solche Poststation. Ganz genaue Informationen darüber oder über den genauen Zeitraum gibt es zwar nicht, aber das Fundament und der Keller des Gebäudes sind immer noch leicht zu finden1. Der Keller hier ist mit Müll verunreinigt.

Es existieren noch Teile des Fundaments und links sieht man die Abdeckung des Kellers.

Nördlich des Berges Kaunispää, unterhalb des berüchtigten Straßenabschnitts Magneettimäki (Magnetberg), fließen der Fluss Alajoki und der Paljakaisenjoki zusammen. Genau dort im Mündungsbereich befand sich die historische Stätte Paljakainen.  
Das Gebäude wurde ursprünglich im Jahr 1893 als Wildnishütte direkt am historischen Ruijan polku errichtet, um Wanderern und Postboten Schutz zu bieten.
Später wurde die Hütte renoviert und zu einem richtigen Gasthof ausgebaut. In ihrer Blütezeit war sie eine wichtige und recht große Station für Reisende in den Norden. Zum Hof gehörten unter anderem ein Stall für sechs Pferde, ein Kuhstall für zwei Kühe, ein Heuschober, ein Vorratsspeicher (Aitta) und natürlich eine Sauna.  
Wie fast die gesamte Infrastruktur Lapplands wurde auch die Anlage am Paljakaisenjoki während des Lapplandkrieges (1944–1945) beim Rückzug der deutschen Truppen komplett niedergebrannt.2 

Die ehemalige Poststation wurde mit einem traditionellen Geocache versehen. Bei der Routenplanjng entdeckte Brigitte die Beschreibung. Dabei mussten wir den Paljakaisenjoki überqueren. Im Hintergrund sieht man die Brücke für die Motorschlittenroute (Kelkkareitti) sowie einen Luontopolku (Naturpfad) entlang des alten Postweges.

Weiter zum Cache und der Geschichte der Poststationen

Kaunispää – der nördlichste Schiort Europas

Wie so oft hören wir die Tropfen am Morgen am Womodach und schlafen noch weiter. Ich werde gegen 07:00 wach, schreibe einen Artikel am tablet und schlafe dann noch mal kurz ein. Brigitte geniesst den Schlaf bis ich sie wecke. Heute war es 09:30 und als ich ich die Womotür öffne, waren wir die einzigen Camper:innen am Platz.

Der Kaunispää ist einer der bekanntesten und markantesten Rundhöckerberge in Finnisch-Lappland. Er liegt direkt beim Ferienort Saariselkä in der Gemeinde Inari, etwa 250 Kilometer nördlich des Polarkreises. Mit seiner Höhe von 437 Metern hat man aufgrund der Lage oberhalb der Baumgrenze einen spektakulären 360-Grad-Panoramablick über das angrenzende Urho-Kekkonen-Nationalparkgebiet und die Hügelketten bis zur russischen Grenze. Wir heute wetterbedingt nicht. Am Panoramabild unten sieht man was sich gerade auf uns zubewegt. Eine halbe Stunde hat es geschüttet.

Weiter am Kaunispää