Schweizer, deutsche und österreichische Frauen und Männer wandern abends über isländische Küstenlandschaft auf der Suche nach einer heissen Quelle. Ist es ein Mythos oder ist es doch machbar? Das perfekte Ei ohne einen Kochtopf oder einen Eierkocher? Hier gibt es keine Übersichtstabellen für ideale Garzeiten. Hier hilft nur Intuition, Erfahrung und Kenntnis über die Temperatur der heissen Quelle.
Wir haben abends eine tolle Aussicht und einen sonnigen Abend in Island. Kaum zu Glauben, dass unter uns heisse, thermale Wasseradern einen Weg durch die Erdkruste suchen.
Das Wasser sprudelt und gurgelt so vor sich hin, geduldig warten wir auf den Zeitpunkt zum Eierpecken.Weiter beim Eierkochen
Mittlerweile sind wir einiges gewohnt, wechselnde Witterungsbedingungen und Strassenverhältnisse. Schmale, enge Schotterstrassen fordern oft unsere volle Konzentration. Beim Ausweichen von Schlaglöchern genauso wie das aneinander Vorbeifahren in Centimeterabständen bei Gegenverkehr ist Fahrgenauigkeit gefragt.
Besonders herausfordernd ist auf engen, steilen Schotterstrassen das Ausweichen in den vorgesehenen Ausweichbuchten, wenn es auf einer Seite hunderte Meter hinunter geht und es keine Begrenzungenmarkierungen, Leitschienen oder ähnliches vorhanden ist.
Wunderbar die wechselnde Landschaft
Wenn sich Küstenlandschaft mit vulkanischen Landschaften abwechselt oder verbindet. Wenn sich schwarze Felsen über dem blauen Meer erheben. Wenn Sandstrände zum Baden im Meer einladen, aber die Temperaturen uns eher in die Hot-Pots ziehen. Schneereste im Juli vom rauhen, atlantischen Klima in der Nähe des Polarkreises zeugen, obwohl der Golfstrom die Auswirkungen mildert. Man spürt hier die Natur, wir riechen das Meer und den Schwefel und eigentlich bebt hier immer die Erde, für uns nicht spürbar, aber an den Messaufzeichnungen deutlich erkennbar.
Isafjördur war 1890, seit der Zeit von Bezirksamtmann Skúll Thoroddsen, der schließlich 1892 von der dänischen Oberhoheit in Reykjavik vom Dienst suspendiert wurde, und bis weit ins nächste Jahrhundert hinein von erbitterten politischen Kämpfen gekennzeichnet. Anfang des 20. Jhdt. gründeten die Sozialdemokrat:innen, die radikalen Nationalen Liberalen und die Skúll-Anhänger:innen ein Kommitee zur Erreichung der Unabhängigkeit von Dänemark.
Beim Besuch des Fischereimuseum stossen wir auf die „Rote Geschichte“ der Stadt und die bemerkenswerte Lebensgeschichte von Karitas Skarphéðinsdóttir, einer Kommunistin, die für Frauenrechte uns soziale Weiterentwicklung kämpfte. Die war Aktivistin in der örtlichen Gewerkschaft Baldur.
Ich war nie ein Kind
Karitas Skarphéðinsdóttir wurde am 20. Januar 1890 in Ísafjarðardjúp geboren. Sie war die Tochter von Petrina Ásgeirsdóttir aus Látrar in Mjóifjörður und Skarphéðinn Eliasarson aus Carðstažir in Ogursveit.
Als wir vom Parkplatz zum Wasserfall hoch spazieren präsentiert sich der Wasserfall, der auch Fjallfoss genannt wird, wie ein breiter, durchsichtiger Vorhang, der schwarze Felsen verdeckt. Die Dimension des Wassefalls wird für uns in Etappen aufgebaut. Wir passieren vorher kleinere Wasserfälle, die durch das Wasser des Dynjandi gespeist werden. Hier fliessen 2 – 8 m2 pro Sekunde die Felsen hinunter.
Auch hier wieder die imposante Kraft des Wassers. Die Kombination der moosbewachsenen, aber mehrheitlich schwarzen Felsen mit dem weiß sprudelnden Wasser ergibt beeindruckende Kontraste. Manchmal hatten wir Glück und wir erwischten gerade ein Sonnenfenster für das Foto, dann war das Wasserfallambiente in einem weicheren Licht.
Wir steuern den 170 m hohen Hauptkrater Stóra-Grábrók, der vor ca. 3600 Jahren entstand. 617 Holzstufen führen uns und die Besucher:innen 90 Höhenmeter auf den Weg nach oben zum Blick in den Krater.
Die 3 Krater befinden sich in einer kurzen Vulkanspalte (7 km lang), sind aber Teil eines langen Systems namens Ljosufjoll, das 90 km lang ist. Beim Blick in das Innere des Kraters stelle ich mir rot glühende Lava vor.
Schlackenvulkane haben fast immer eine regelmäßige konische Form mit steilen Flanken und stumpfer Spitze. Wird aus Vulkanschloten nur Lockermaterial gefördert, häufen sich die groben Fragmente in einem Wall um den Schlot an und bauen den Schlackenkegel auf.
Während unserer Islandtour besuchen wir immer wieder Museen oder Freilichtanlagen zur Geschichte Islands. In Eyjafjörður gibt es einen gut erhaltenen Bauernhof aus der Zeit um 1850, der als Freilichtmuseum Einblicke in die Lebensverhätnisse der damaligen Zeit gewährt.
Er galt einer der besonders reichen Bauernhöfe. In den nahen Auen nutzte man die Brutgebiete der Eiderenten zur Eientnahme. Bis ca. 1900 wurden jährlich über 100 kg Eier am Hof verarbeitet. Die nahen Fischereimöglichkeiten sorgten für weitere Einnahmen.
Wem gehörte diese Hofanlage? Wenn man in die Reiseführer blickt sind bei den historischen Bauten oft Kirchen ein beliebtes Reiseziel. Hier in Island ist es nicht anders. Dieser reiche Hof hier in Laufás gehörte den Bezirkspfarrern, die hier mit ihren Dienstleuten fast 900 Jahre lebten.
Die Arbeitsr- und Wohnräume der Beschäftigten waren nicht so hell und fein eingerichtet. Diese dunklen Gänge im Untegeschoß führen zu den verschiedenen Arbeitsräumen. Die Wände sind mit Torfziegeln aufgeschichtet. In diesen Räumen findet man als Besucher:in Werkzeuge, Haushaltsgeräte , Netze zum Fischen und Geräte für die Landwirtschaft aus den letzten beiden Jahrhunderten. Die Dächer der Gebäude sind mit Grassoden gedeckt. Über diese Gänge sind die einzelnen Gebäude zusätzlich miteinander verbunden.
Der folgende Text ist eine Übersetzung der Inschrift vor Ort.
Flóki Vilgerðarson (Raven-Flóki), ein echter Wikinger, verließ Rogaland in Norwegen auf der Suche nach dem Land, das zuvor Naddoddur, der Wikinger, und Garðar Svavarsson, der Schwede, betreten hatten. Bevor er in See stach, schloss er einen Pakt mit drei Raben, damit sie ihm den Weg zeigten, und baute an der Grenze
zwischen Hörðaland und Rogaland einen Steinhaufen, der Flóki-Steinhaufen genannt wurde. Flóki segelte zunächst zu den Shetlandinseln und dann in Richtung Snæland, wie Naddoddur die Insel im Norden nannte. Als er den ersten Raben freiließ, kehrte dieser direkt zum Bug zurück. Der zweite flog hoch, kehrte aber zum Schiff zurück. Als er den dritten Raben freiließ, flog dieser vom Bug und deutete auf Land. Sie kamen östlich des Horns und segelten entlang der Küste nach Westen, vorbei an Faxaflói und Snæfellsnes, und landeten in Vatnsfjörður bei Barðaströnd, wo sie beschlossen, die kommenden Wintermonate zu bleiben. Da der Fjord voller Fische war, kam es ihnen nicht in den Sinn, Heu zu ernten.
Wir nutzen unseren Aufenthalt in Breiðavík für einen ausgiebigen Strandspaziergang bei abendlicher Stimmung. Der feine Sandstrand mit den kräftigen Farben am Abend ist wie eine geistige Erholung von den vielen Eindrücken des Tages quasi eine Auszeit zur geistigen Verarbeitung.
Gleichzeitig reagiert man auf färbige Blumen und Pflanzen, die sich zwischen Steine und Sand ihren Platz in der polaren Region erkämpfen.
Nach unserer Ankunft im Ort und einem Kurzbesuch in der Heimabakeri zu Kaffee und Kuchen treffen wir uns als Gruppe zum Besuch des Walmuseums. Ein ehemaliger Begleiter der Whale-Watchingtouren führt uns in einer deutschsprachingen Führung durch das Museum. Das im Juni 2002 neu eröffnete Museum in einem ehemaligen umgebauten Schlachthof ist mittlerweile eine anerkannte Bildungsanstalt mit 1600 m2 Ausstellungsfläche auf zwei Stockwerken.
Skelett eines Zwergwalkalbes
In der „Walgalerie“ des Museums werden Skelette von insgesamt 9 unterschiedlichen Arten ausgestellt.
Den Übergang zum Wasserleben vollzog diese Säugergruppe vor etwa 50 Millionen Jahren. Wale sind eng verwandt mit den Paarhufern. Am Skelett dind sieht man bei den Flossen immer noch die Anordnung der Finger. Durch Carl von Linné wurden Wale 1758 den Säugetieren zugeordnet.