Von Kautokeino nach Jokkmokk

In zwei Tagesetappen geht es von Kautokeino über Vittangi und Gällivare nach Jokkmokk. Vom Campingplatz mit dem Arctic-Krokodil geht zu einem gut ausgestatteten Rastplatz ein paar Kilometer nördlich von VIttangi am Lannan-Kokkajärvi bis zum Skabram Camping drei Kilometer westlich von Jokkmokk.

Wir steuern einen Rastplatz am Silisjávri (69,60812° N, 23,49183° O) an. Der See liegt etwa 334 Meter über dem Meeresspiegel und hat eine Fläche von rund 7,1 km². Hier befinden wir uns 10 km nördlich zur finnischen Grenze. Wir fahren in diesen beiden Tagen von Norwegen durch Finnland bis Schweden.

In Karesunando machen wir Station, um zwei Geocaches zu heben, die es 2022 bei unserem ersten Besuch nicht gab. Am Bild neben der nördlichste Campingplatz Schwedens, wo wir damals übernachteten.

Zwei Länder, eine Gemeinschaft: Der Fluss Muonioälven bildet die Staatsgrenze. Auf der schwedischen Seite liegt Karesuando, auf der finnischen Seite Karesuvanto. Eine Brücke verbindet beide Ortsteile. 

Der Muonioälven (auf Finnisch: Muonionjoki) bildet auf seiner gesamten Länge von rund 230 Kilometern die natürliche Grenze zwischen Schweden im Westen und Finnland im Osten.

Am alten Friedhof, der ausserhalb des Ortes liegt sind viele Pioniere, Samen und Siedler der Region aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert begraben.

Im Hintergrund der Muonionjoki.

Hier sind wir auf der Gilbesjärvgeaidnu (der samische Name für die Kilpisjärventie), die die Hauptstraße (Teil der Europastraße E8 bzw. der finnischen Staatsstraße 21) zwischen der nordfin. Gemeinde Enontekiö von der schwedisch-finnischen Grenze bei Karesuvanto nach Norden bis zum Ort Kilpisjärvi bildet.

Wir streifen bei unserer Fahrt diesen Nationalpark. Er ist der drittgrößte und mit Abstand meistbesuchte Nationalpark Finnlands. Er erstreckt sich über eine Fläche von rund 1.020 km² in West-Lappland. Die Messstation auf dem Fjell Sammaltunturi misst regelmäßig die sauberste Luft Europas bzw. eine der reinsten weltweit. Der Park zeichnet sich durch seine sanft geschwungenen, baumlosen Fjells (Gipfel), uralten Fichten- und Kiefernwälder sowie arktischen Moorgebiete aus. Der Taivaskero ist mit 807 Metern die höchste Erhebung im Park. Hier wurde 1952 das olympische Feuer für die Sommerspiele in Helsinki entzündet.

Der Orange Graustiel-Täubling (Russula decolorans) fühlt sich rund um Enontekiö und den Pallas-Yllästunturi-Nationalpark wohl, da er saure, moosige Böden (oft in der Nähe von Heidelbeeren oder Torfmoos) liebt.
In Finnland ist er als Speisepilz recht beliebt. Das Fleisch wird beim Erhitzen dunkelgrau bis schwarz – sieht im Topf gewöhnungsbedürftig aus, schmeckt aber trotzdem hervorragend!

Diese seltsame kreisrunde Fläche neben der Haltebucht mit einer gelben Fahne in der Mitte war direkt neben der Haltebucht.
Diese Parkplätze haben leider keine Mülltonnen und so landet der ganze Dreck hier in der Landschaft. Fürveinen Nationalpark nicht ideal.
Koordinat.: 68,41694° N, 23,53962° O

Wir übernachten am Lannan Kokkajärvi ist ein See im Norden Schwedens. Der Lannan Kokkajärvi speist letztlich das Flusssystem des Torne älv (Torneälven) bzw. dessen Zuflüsse.
Hier am Radtplatz gibt es mehrere Feuerstellen, zwei Kotas zum Übernachten, einen kleinen Aufenthaltsraum zum Übernachten und Toiletten.

Wir lernen hier eine ungarische Familie kennen, die mit ihren Rädern von Tromsö kommend bis Inari fahren. Von dort geht es mit dem Zug nach Helsinki und weiter in die baltischen Staaten.

Nach dem Frühstück fahren wir ein paar Kilometer nach Vittangi. Am Sonntag Bormittag ist kaum jemand im 800 Einwohner:innen zählenden Ort zu sehen. Zwei Geocavhes haben unsere Aufmerksam gefunden, die wir hier heben wollen.

Am Weg zum Park sehen wir diese beiden Aufnahmen aus früheren Zeiten im Dorf. Wenn die beiden Fotos ansieht glaubt man kaum, dass Vittangi den offiziellen schwedischen Kälterekord für das 20. Jahrhundert: Am 2. Februar 1966 wurden hier −52,6 °C gemessen (nur im Jahr 1999 wurde in Vuoggatjålme ein ähnlich extremer Wert registriert) hält.
Die Region ist stark von der samischen Kultur sowie dem Tornedalfinnischen (Meänkieli) geprägt. Historisch war der Ort ein wichtiger Handels- und Treffpunkt für Rentiereinzäunungen und Flussfischerei.

Im Park sehen wir das Denkmal von Henrik (Hindrich) Mickelsson Kyrö. Im Jahr 1674 zog er mit seiner Familie an den Fluss Torneälven und errichtete dort das erste feste Gebäude (ein sogenanntes nybygge). Dies markiert das offizielle Gründungsjahr von Vittangi.

Von Elsa Forsgren (1920–2010) – „Die Modernistin aus Vittangi“, haben wir kein Denkmal entdeckt. Sie studierte unter anderem an der Kunstakademie in Rom und der berühmten Otte-Sköld-Malschule in Stockholm. 1950 debütierte sie mit dem Gedichtband „Resa mellan ensamheter“, woraufhin sie in schwedischen Literaturkreisen als „Modernistin aus Vittangi“ bekannt wurde. Später arbeitete sie als Kunst- und Zeichenlehrerin. 

Unter dem Slogan „Stoppa gruvan, rädda våra älvar“ (Stoppt die Mine, rettet unsere Flüsse) formierte sich eine lautstarke Bürgerinitiative und Protestbewegung rund um Vittangi.

Der Protest richtet sich gegen ein umstrittenes Bergbauprojekt des australischen Unternehmens Talga Group, das etwa 10 Kilometer von Vittangi entfernt im Gebiet Nunasvaara eine der größten Tagebau-Grafitminen Europas errichten möchte.

Gefährdung des Trinkwassers: Das Dorf Vittangi und weitere Orte flussabwärts beziehen ihr Trinkwasser direkt aus dem Torne älven. Die Bewegung befürchtet, dass Auswaschungen von Schwermetallen, Schadstoffen und Treibstoffen aus dem Tagebau das Grundwasser und den Fluss vergiften könnten.
Bedrohung der Rentiere und Samen: Das Gebiet liegt mitten in den traditionellen Weide- und Zugrouten samischer Samebyar (Rentierzuchtgenossenschaften). Der Abbau und der Lärm bedrohen die Rentierzucht massiv.
Zerstörung der Arktis-Natur: Die Natur im Taldreieck der beiden Flüsse gehört zu den am wenigsten berührten Ökosystemen der Region.

Der Vassaraälven (auch Vassara älv) ist ein rund 50 Kilometer langer Fluss im nordschwedischen Lappland (Gemeinde Gällivare, Norrbottens län). Er entspringt westlich von Gällivare, durchfließt den See Vassaraträsket, verläuft direkt durch den Ort Gällivare und mündet schließlich bei Stenbron in den Linaälven.

Wir machen hier Pause und suchen einen Geocache, der an das unglückliche Verschwinden einer jungen Frau hier erinnert, die ebenfalls unserem Hobby nachging.

Das Kraftwerk Porjus gehört zu den bedeutendsten und historisch wichtigsten Wasserkraftwerken Schwedens. Es liegt am Fluss Lule älv in der Gemeinde Jokkmokk. Es wurde ursprünglich gebaut, um die Erzbahn (Malmbanan) für den Transport von Eisenerz zwischen Luleå und Narvik zu elektrifizieren. 

Als der Bau 1910 beschlossen wurde, gab es am Standort Porjus weder Straßen noch Schienen. Die nächstgelegene Bahnstation lag im 50 Kilometer entfernten Gällivare.  Sämtliches Material (Werkzeuge, Zement, Dynamit, Proviant) musste zu Fuß über Moore, Flüsse und durch die Wildnis getragen werden.  
Die Arbeiter trugen Rucksäcke und Tragegestelle mit Standardlasten von 50 kg, nicht selten sogar bis zu 100 kg pro Person.  
Der dafür genutzte Pfad existiert als historischer Wanderweg (Rallarstigen) bis heute. Erst 1911 erreichte eine Behelfsbahn das Baugelände.

Extremes Klima & Dunkelheit
Porjus liegt nördlich des Polarkreises. Die Arbeiten standen im Winter nicht still:  
Die Männer arbeiteten bei Temperaturen von bis zu −40 °C, oft bei völliger Dunkelheit, Eiswinden und meterhohem Schnee. Im Sommer machten unzählige Mückenschwärme in den Sumpfgebieten die Arbeit zur Qual.

Unterirdische Pionierarbeit ohne moderne Technik
Das Kraftwerk Porjus war eines der weltweit ersten großen unterirdischen Wasserkraftwerke (die Maschinenhalle liegt ca. 50 Meter tief im Fels). Der Fels wurde weitgehend mit primitiven Methoden, Handbohrern und Dynamit gesprengt.

Hier ist eine historische Aufnahme aus der Bauphase des Kraftwerks Porjus, die Einblick in die anstrengenden Fels- und Tunnelarbeiten unter Tage gibt.

Unter Tage herrschte schlechte Belüftung, extremer Lärm, ständiger Feinstaub (Silikose-Gefahr) und Nässe. Schutzkleidung oder Gehörschutz im heutigen Sinne gab es nicht.

Die Bauarbeiter organisierten sich blitzschnell im Gewerkschaftsbund für Straßen- und Wasserbauarbeiter (Svenska Väg- och Vattenbyggnadsarbetareförbundet) sowie in der radikalen Bewegung SAC (Sveriges Arbetares Centralorganisation), die 1910 neu gegründet worden war.
Proteste & Streikdrohungen: Die Arbeiter forderten nicht nur höhere Löhne für die extrem harten Transporte und Untertage-Bohrungen, sondern vor allem menschenwürdige Unterkünfte, sauberes Trinkwasser und medizinisches Personal.
Die Reaktion von Vattenfall: Der staatliche Bauherr Vattenfall stand unter enormem Druck. Der Schwedische Reichstag verlangte die pünktliche Fertigstellung der Erzbahn-Elektrifizierung. Um langwierige Streiks und eine Massenflucht der Arbeitskräfte zu verhindern, knickte die Verwaltung ein.

Das neue Porjus. Das Quartier „Kåtan“ (Die Kote), an der Kreuzung von Turistgatan und Lillselegatan. Jahr: 1921 | Ort: Porjus | Ersteller: Vattenfall | ID: VF000018

Ein Schlüsselmoment in der Geschichte der schwedischen Arbeiterbewegung ereignete sich 1912:
Während eines Streiks um Lohnabzüge und Akkordpreise versuchten Polizei und Verwaltung, das Streikrecht zu unterdrücken. Der Arbeitskampf in Porjus wurde landesweit bekannt. Der Vorfall zeigte, wie gut organisiert und solidarisch die Arbeiter im entlegenen Lappland agierten – und dass der Staat als Arbeitgeber nicht mehr am facklichen Mitbestimmungsrecht vorbeikam.

Durch die Stärke der Gewerkschaften vor Ort erstritten die Rallare Durchbrüche, die für damalige Großbaustellen im Norden Pioniercharakter hatten:

  • Abriss des wilden Lagers: Die provisorischen Erdhütten und Zelte wurden abgerissen und durch geplante Holzbaracken mit Betten, Heizung und Kantinen ersetzt.
  • Arbeitsschutz & Medizin: Vattenfall richtete eine eigene Krankenstation mit fest angestelltem Arzt und Pflegepersonal ein – eine direkte Folge der gewerkschaftlichen Forderungen.
  • Lohnfestsetzungen & Akkord: Die Gewerkschaften handelten Mindestlöhne sowie Gefahrenzulagen für das Bohren und Sprengen unter Tage aus.

Das Wasserkraftwerk Akkats (Akkats kraftstation) ist ein schwedisches Wasserkraftwerk am Fluss Lilla Luleälven, knapp 3 Kilometer nördlich von Jokkmokk in der Provinz Norrbottens län. 

Eine der bekanntesten Eigenschaften des Kraftwerks sind die bunt bemalten Schleusentore (Wehranlagen):

Die Tore der Wehranlage und angrenzende Bauwerke wurden mit Kunstwerken versehen, die auf Samisch den Namen Uvssat davás („Türen nach Norden“) tragen.

Gestaltet wurden die farbenfrohen Motive von den Künstlern Bengt Lindström, Lars Pirak und Lars J:son Nutti.  

 

Bedeutung: Die Bilder greifen Symbole und Lebensweisen der samischen Urbevölkerung Lapplands auf und machen den Damm zu einem markanten Kultur- und Fotomotiv an der Europastraße 45.  

Konflikte zwischen dem Betreiber Vattenfall und der indigenen Bevölkerung

Der Bau von Wasserkraftwerken in Lappland ab Mitte des 20. Jahrhunderts bedeutete einen massiven Eingriff in die Lebensweise der Sami:
Durch die Aufstauung von Seen und Flusssystemen wurden historische Weidegründe für Rentiere überflutet. Der Fluss Lilla Luleälven bildete eine natürliche Route für die Rentierherden zwischen den Winter- und Sommerweiden. Durch Staudämme, Stauseen und veränderte Eisbedingungen im Winter wurden diese Wege unpassierbar oder hochgefährlich.

Obwohl die Zusammenarbeit heute kooperativer verläuft, betrachten viele Sami den historischen Ausbau der Wasserkraft rückblickend als eine Form der Enteignung und Zerstörung ihrer kulturellen Lebensgrundlagen.

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