Was hat der Hoadern mit der Schwingrasengesellschaft am Arbersee zu tun?

Nach dem Besuch des Schaubergwerks am Silberbergwerk steuerten wir den Großen Arbersee, der direkt am Fuße des Großen Arbers im Bayerischen Wald (Gemeindegebiet Bayerisch Eisenstein liegt, an.

Wir umrundeten bei einer Wanderweg von ca. 1,5 km Länge den See und sammelten dabei einige leckeren Schwarzbeeren ein. Für uns Geocacher:innen gab es zwei Adventure Labs zu lösen.

Ursprünglich war der Große Arbersee kleiner und von verlandenden Verlandungsmooren an den Ufern umgeben. Für das Flößen von Baumstämmen (Trift) wurde der See im Jahr 1803 durch eine Schwelle am Ausfluss um etwa 2,5 bis 3 Meter angestaut.
Durch den veränderten Wasserspiegel lösten sich großflächige, verfilzte Moorschichten vom Untergrund ab. Die luftgefüllten Pflanzenteile und das leichte Torfsubstrat trieben wie Korken an die Oberfläche. Früher veränderten die Inseln durch Wind- und Strömungseinflüsse regelmäßig ihre Position im See. Mittlerweile sind sie am westlichen und südlichen Uferbereich weitgehend festgewachsen, verhalten sich aber hydrodynamisch weiterhin wie ein Schwingrasen.

Das Auftriebsprinzip beruht auf den Torfmoosen (Sphagnum). Diese besitzen große Hyalinzellen, die extrem viel Wasser und Luft speichern können. Zudem entstehen im zersetzten organischen Material (Torf) Gase wie Methan und Kohlendioxid, die für zusätzlichen Auftrieb sorgen. Die Schwingrasendecke ist teilweise über einen Meter dick. Sie bildet ein dichtes Geflecht aus Wurzeln, Rhizomen und abgestorbenen Pflanzenteilen. Da die Inseln auf dem Wasser aufliegen, steigen und fallen sie mit dem Wasserspiegel des Sees mit.

Beim Lösen unserer Fragen des Adventure Lab half uns eine vierköpfige Frauengruppe aus dem Innviertel bei der Begriffsbestimmung des bayrischen Wortes „Hoadern“. Das Wort geht auf das althochdeutsche hadara („Lappen“, „Fetzen“) zurück. Je nach Kontext bezeichnet es im Bairischen verschiedene Dinge:

  • Hauptbedeutung: Lappen oder Putztuch. Meist steht der Begriff schlicht für ein altes, gebrauchtes Tuch oder einen Putzlappen. Bodenhoadern / Schböllhodern: Bodenwischtuch bzw. Spüllappen – Buuzhodern / Hodharran: Putzlappen bzw. Handtuch zum Reinigen  
  • Wertloses Kleidungsstück oder Stoffrest. n erweiterter Bedeutung bezeichnet man damit abgetragene, minderwertige Kleidung oder altes Gewebe.
  • Von Hodern leitet sich auch das Wort Haderlump ab – ursprünglich eine doppelte Bezeichnung für einen Mann, der in zerlumpten Kleidern herumläuft („Hader“ + „Lump“), später übertragen auf eine Person mit zweifelhaftem Charakter.

1972 wurden rund 130 Hektar des Waldgebiets zusätzlich als Naturwaldreservat ausgewiesen. Hier findet seitdem keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt; Totholz verbleibt im System, was Urwaldreliktarten (wie dem Dreizehenspecht oder seltenen Käferarten) zugutekommt. 

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