
Als wir morgens am Campingplatz starteten hat es fast die ganze Nacht geregnet und am Morgen nieselte es. Je näher wir der Küste kamen, umso freundlicher zeigte sich das Wetter. Kurzfristig planten wir einen Zwischenstopp in Ö-Vik ein. Heute am Sonntag fanden wir schnell einen Parkplatz in der Nähe des Hafen mit Blick auf die Sprungschanze.


Die Skisprunganlage Paradiskullen gilt als das Zentrum des schwedischen Skisprungsports, weil das hiesige Skigymnasium (Nolaskolen) das einzige Sportgymnasium ist, an dem Skispringen unterrichtet wird. Der Schanzenrekord beträgt 104,5 Meter, aufgestellt von Anssi Koivuranta am 29. August 2010.
Beim Bau der schwedischen Bahnstrecke Botniabana musste die ursprüngliche Schanze 2004 abgerissen und um etwa 40 Meter versetzt neu aufgebaut werden. Die Eisenbahnlinie verläuft heute auf einer Brücke direkt über dem Auslauf der K 90-Schanze.

Bis heute ist der Hafen (insbesondere das Terminal in Domsjö) eine zentrale Drehscheibe für den Export von Schnittholz, Zellstoff und Papierprodukten. In den letzten Jahren hat sich die Bedeutung des Hafens von der reinen Holzverarbeitung hin zu einer modernen Bioraffinerie- und Chemie-Plattform gewandelt. Er dient auch als Ausgangspunkt für den maritimen Tourismus in der von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Region Höga Kusten.
Bei historischen Aufnahmen am Hafen entdeckten wir diese Inschrift aus der schwedischen Enzyklopädie, Ausgabe 1947–1955
Örnsköldsvik verfügt über einen natürlichen, ausgezeichneten Hafen, der zusammen mit der Hafeneinfahrt eine Tiefe von 11 m erreicht; die Kaimauer ist 670 m lang und liegt in einer Tiefe von 5,5–8 m; ein großer Ölhafen befindet sich im Bau. In dem Hafen, der für nördliche Verhältnisse eine lange Schifffahrtssaison (etwa 11 Monate) aufweist, liefen 1951 1.116 Schiffe mit 642.674 Nettoregistertonnen ein und aus, davon 469 mit 256.066 Nettoregistertonnen auf internationalen Reisen. Örnsköldsvik unterhält regelmäßige Schiffsverbindungen mit Stockholm und anderen schwedischen Häfen.






Kunst in Ö-Vik

Bei unserem Rundgang nutzen wir das Angebot eines Geocachers der Stadt.
In der Umgebung von Örnsköldsvik stehen über 30 Skulpturen im öffentlichen Raum. Bald sehen wir eine Jugendstil-Skulptur des bedeutenden schwedischen Bildhauers Carl Eldh (1873–1954).

“Vid källan“ – 1904 geschaffen, kurz nach Eldhs Rückkehr aus Paris. Sie existiert in Gips- und Bronzeausführungen.


Die Originalstatue aus weißem Marmor wurde von dem Bildhauer und Steinmetz Arthur Sandin (1877–1940) geschaffen. Sandin stellte das Werk im Sommer 1935 auf einer Ausstellung in Härnösand noch unter dem Titel „Susanna i badet“ (Susanna im Bade) vor.
Durch das Engagement von Tage Forsberg, dem damaligen Redakteur der Lokalzeitung Örnsköldsviks Posten, kaufte die Stadt Örnsköldsvik die Marmorstatue. Nach der Aufstellung im Stadtpark wurde sie in „Faraos dotter“ umbenannt.
Die Frauenfigur stellt eine Szene aus dem Alten Testament dar (die Geschichte von Hatshepsut, der Tochter des Pharaos, die das kleine Baby Mose aus dem Wasser des Nils rettete).
Da die Originalstatue immer wieder Opfer von Vandalismus wurde, fertigte man 2008 schließlich ein Replikat aus robuster Bronze an.


Die Skulpturengruppe „Gycklare“ („Gaukler“ / „Hofnarr“) ist eine Bronze-Skulptur von Bror Marklund (1907–1977), einem der bedeutendsten schwedischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts.
Im Mittelalter und in der Renaissance war der Hofnarr der Einzige am Hof, der dem Herrscher unverblümt die Wahrheit sagen konnte, ohne hingerichtet zu werden.
Die Skulptur soll Passanten und Politiker gleichermaßen dazu anregen, das aktuelle Gesellschaftsgeschehen zu hinterfragen und Machtstrukturen kritisch zu reflektieren.
Eine weitere Ausführung des „Gycklare“ befindet sich direkt im Sitzungssaal des Gemeinderats (kommunfullmäktigesalen) im ehemaligen Stadthaus an der Nygatan – als symbolische Ermahnung an die Lokalpolitik.
Die folgende Skulptur betrachteten wir aus dem Café heraus. Am Sonntag war es gar nicht so leicht ein offenes Café zur Mittagszeit zu finden. Brigitte stöberte im Internet und versorgte mich mit den wichtigsten Informationen zur Skulptur.

Künstler: Asmund Arle (1918–1990)
Das Kunstwerk zeigt ein Arbeitspferd mit einem Holzschlitten und einem Fuhrmann (Sörkörare / Forbonde). Es erinnert an die Bauern aus Norrland, die im 18. und 19. Jahrhundert im tiefen Winter mit beladenen Schlitten hunderte Kilometer nach Süden reisten, um Waren wie Leinen, Felle und Fleisch zu verkaufen – ein Handel, der maßgeblich zur Gründung von Örnsköldsvik (1842) beitrug.
Die Skulptur steht ohne Sockel mitten auf dem Pflaster, wodurch Muskelanspannung und Anstrengung von Mensch und Tier aus nächster Nähe erfahrbar sind.

Ich habe den städtischen Hintergrund durch eine Farbe ersetzt, damit die Skulptur besser dargestellt werden kann.
Die Skulptur in Örnsköldsvik, die eine sitzende Frau darstellt, heißt offiziell „Sittande kvinna“ („Sitzende Frau“) und stammt von dem niederländisch-schwedischen Künstler Herman Reijers.
In der Beschreibung zu dieser Skulptur heißt es: „Die Skulptur zeigt eine Frau mit kurzer Frisur und Kleid, die mit leicht angewinkelten Beinen auf einem Schemel sitzt. Eine Hand ruht auf ihrem Knie, die andere stützt sie ab.
Die Haltung wirkt selbstbewusst, ruhig und wie in einem entspannten Moment modelliert.“


Der Adler ist das direkte Wahrzeichen von Örnsköldsvik. Die Stadt wurde nach dem Landeshauptmann Per Abraham Örnsköld benannt, und seit der Stadtrechtsverleihung 1894 ziert ein Adler auch das Stadtwappen.
Die Vorlage schuf Bruno Liljefors (1860–1939), einer der bedeutendsten schwedischen Natur- und Tiermaler.
Der Bildhauer A. F. Berg schlug die Skulptur aus massivem Granit, der am nahegelegenen Hausberg Åsberget gewonnen wurde. Bruno Liljefors reiste sogar persönlich nach Örnsköldsvik, um den Fortschritt der Steinmetzarbeiten zu begutachten.
Das Denkmal wurde im Sommer 1916 im Rahmen der großen regionalen Industrie- und Handwerksausstellung „Den vita staden“ („Die weiße Stadt“) von König Gustaf V. eingeweiht.

Die Skulptur in der Torggatan vor dem Touristenbüro (nahe dem Arken-Komplex) heißt „Inventor“ (oft auch als Inventore bezeichnet) und stammt von dem Künstler Kjell Landfors.
Der Name Inventor („Erfinder“) nimmt Bezug auf menschliche Schaffenskraft, Entdeckergeist und Innovation – ein passendes Motiv vor dem Gebäude, das als Info-Zentrum für Besucher sowie als Ort des Wissens und der Kultur dient.

Die Idee zum Werk hatte Marklund nach einer persönlichen Begegnung an der Küste. In einem Interview von 1962 beschrieb er den Auslöser:
„Ich habe einen Mann gesehen, der an einem Meeresstrand in sehr starkem Gegenwind ging. Er schien es eilig zu haben, kam aber nur mit zähen, gedehnten Bewegungen voran. Er ging sehr nah an mir vorbei. Er war GEWALTIG. Ich musste diese Erfahrung gestalten.“
Es symbolisiert nicht nur den realen Kampf gegen das raue norrländische Küstenwetter, sondern auch den menschlichen Widerstandsgeist gegen Lebensstürme, Hürden und unsichtbare Widerstände.

Gestaltet vom schwedischen Bildhauer Gösta E. Almgren nach dem Tod Kempes im Jahr 1924.
Nach dem Tod seines Vaters Carl Kempe gründete Frans mit seinen Geschwistern das Unternehmen Mo och Domsjö AB (später kurz MoDo). Unter seiner Führung entwickelte sich der Betrieb zu einem gigantischen Forst- und Zellstoffkonzern (u. a. Werke in Domsjö, Husum und Hörnefors).
Er gilt als einer der ersten Unternehmer in Schweden, der auf wissenschaftlich fundierte Aufforstung und nachhaltige Waldpflege setzte.

Patriarchales Sozialkonzept: Kempe baute für seine Arbeiter vorbildliche Sozialeinrichtungen und Wohnsiedlungen (wie das berühmte Mustersolodorf auf der Insel Norrbyskär), verweigerte jedoch Gewerkschaften den Zutritt und verhandelte stets direkt mit seinen Angestellten.
Das spektakuläre Wohn-Hochhaus Ting1 (im Volksmund auch als Legohuset bekannt)

Die prägendsten Merkmale des Gebäudes sind die 78 freistehenden, verglasten Balkone, die versetzt aus den vier Fassadenseiten herausragen und dem Haus seinen Würfel- bzw. Lego-Look verleihen. Architekt Gert Wingårdh nennt sie auch „springende Balkone“.
Das Areal bildete ursprünglich das alte Gerichtsgebäude (Tingshuset) von 1967 – ein eher schlichter, dreistöckiger Betonbau.
Der „schwebende“ Turm: Da der alte Bau das Gewicht des neuen Hochhauses nicht tragen konnte, wurde ein mächtiger Beton-Zentralkern (8 mal 8 Meter) mitten im Innenhof des Altbaus im Fels verankert. Der neue bunte Turm ruht komplett auf dieser Mittelsäule und berührt das Altgebäude an keiner Stelle direkt.