Die Goldsucher am Friedhof Inari

Wir besuchen zur Lösung unserer Aufgaben den Waldfriedhof in Inari. Eingebettet in einen Kiefernwald sind die Grabstätten angelegt.
Ein Teilabschnitt des Friedhofs dient als letzte Ruhestätte zahlreicher legendärer Goldgräberveteranen, die vor allem in den Gebieten rund um den Lemmenjoki und den Ivalojoki nach dem großen Glück suchten.
Heute befinden sich auf der Parzelle weit über 50 Gräber von echten Goldgräber-Originalen (wie etwa Väinö Hoppu, genannt „Hopputon Hoppu“ / Der Eilelose).

Die Grabstätte wird von zwei markanten Denkmälern geprägt: einem alten traditionellen Kiefernholzkreuz (honkaristi) und dem markanten Denkmal namens Emäsuoni (Mutterader).

Es handelt sich um ein mächtiges, wuchtig gezimmertes Kreuz aus Honka. Das ist im Finnischen der Begriff für das Holz sehr alter, langsam gewachsener, oft abgestorbener Kiefern (Kelo-Holz). Dieses Holz ist extrem witterungsbeständig und überdauert im arktischen Klima Jahrzehnte, ohne zu verrotten. Es nimmt mit den Jahren eine silbergraue Färbung an.
Die Namen der Goldschürfer incl. Geburtstag- und Sterbedaten sind auf den goldenen Plaketten eingraviert.
Das Kreuz wurde bereits in den Anfängen der Parzelle errichtet. Es verkörpert den rauen Geist der Wildnis und ist oft der Ort, an dem bei Gedenkveranstaltungen des Goldgräberverbandes Kränze niedergelegt werden.

Die Grundstruktur des Denkmals ist einer Muster-Schürfrechte-Markierung (Valtauspaalu) nachempfunden – also jenen Holzpfählen, die Goldgräber in der Wildnis einschlugen, um rechtlich zu markieren, wo sie nach Gold graben (ihr sogenannter „Claim“).
In der Mitte bzw. dem Aufbau des Denkmals befindet sich ein freier, dafür vorgesehener Platz. Das Besondere ist die Tradition, die damit verknüpft ist: Wenn ein eingeäscherter Goldgräber hier seine letzte Ruhe findet, bringen Angehörige oder Kameraden einen kleinen Stein von seiner ehemaligen, echten Goldwaschstelle (seinem Claim) aus der Wildnis mit und legen ihn dort ab. 
Das Denkmal sammelt im Laufe der Jahre physische Bruchstücke der rauen Natur Lapplands (aus Flüssen wie dem Lemmenjoki oder Ivalojoki). Jedes Steinchen steht symbolisch für die harte Arbeit, den Lebensabend und den Ort, an dem der jeweilige Pionier sein Herz an das Goldfieber verloren hat.

Unsere ständigen Begleiter bei den Outdoorspaziergängen unternahmen auch hier hemmungslose Annäherungsversuche und hielten uns auf Trab. Dank Gittis Spezialmixtur hielten sich die Landeanflüge auf uns in Grenzen.
Neim Durchwandern des Friedhofs im Goldgräberbereich entdeckten wir ein spezielles Grab.

Die Geschichte des Goldsuchens in Lappland im Überblick

Alles begann im Jahr 1868, als eine staatliche Expedition am Fluss Ivalojoki auf reiche Goldvorkommen stieß. Das löste im Jahr 1870 den ersten großen, behördlich regulierten Goldrausch aus. Hunderte Glückssucher, Abenteurer und Arbeiter strömten in den unwegsamen Norden. Mitten in der Wildnis entstand die legendäre „Goldbasis“ Kultala, ein staatliches Kontrollzentrum mit eigener Polizei, Post und Wirtshaus, um die Funde zu wiegen und zu versteuern. Als die leicht zugänglichen Vorkommen nach wenigen Jahren erschöpft waren, ebbte der erste große Hype ab.

Nach dem Zweiten Weltkrieg flammte das Goldfieber im fernen Nordwesten Inaris, am Fluss Lemmenjoki, erneut auf. Heimkehrende Soldaten und Männer auf der Suche nach Arbeit und Freiheit im kriegszerstörten Finnland gründeten neue Claims. Diese Ära (späte 1940er und 1950er Jahre) brachte die buntesten und legendärsten „Goldgräber-Originale“ hervor – jene Männer, die heute auf dem Friedhof in Inari begraben liegen. Man lebte in einfachen Blockhütten, wusch das Gold von Hand und schuf eine tief verbundene, eigenwillige Gemeinschaft.

Ein historischer Wendepunkt wurde im Jahr 2020 erreicht: Nach einer zehnjährigen Übergangsfrist trat ein striktes Verbot für den maschinellen Goldabbau im Lemmenjoki-Nationalpark in Kraft. Seitdem ist dort nur noch das traditionelle, umweltschonende Goldwaschen von Hand mit Pfanne und Spaten erlaubt.

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