Bei unserer Weiterfahrt auf den Ålandinseln besuchen wir Schloss Kastelholm. Beim Eingang werden wir auf deutsch begrüßt. Der Portier war als Kind vor 53 Jahren 10 Monate in Wien, weil seine Mutter dort beruflich tätig war.

Dieses Bild stammt aus einer Broschüre. In Finnland gibt es nur wenige Schlösser, deshalb ist Kastelholm nicht nur touristisch sondern auch historisch wichtig. Sie ist auch die einzige Burg auf den Ālandinseln.

Die Burg wurde Ende des 14. Jahrhunderts (ca. 1384) erbaut und diente über Jahrhunderte als strategisch wichtiger Außenposten des schwedischen Reiches. Sie wurde im Laufe der Zeit mehrfach belagert, erweitert und im Jahr 1745 durch einen verheerenden Brand weitgehend zerstört.

Kastelholm erlebt seine Blütezeit. In historischen Schriften wird die Festung oft als „Schlüssel zu Schweden“ bezeichnet, da sie ein unverzichtbarer Vorposten zur Verteidigung Stockholms war. Sie wird mehrfach belagert (unter anderem 1507 von den Dänen) und von König Gustav Vasa stark ausgebaut. Vasa nutzt die umliegenden Wälder exklusiv für königliche Jagdausflüge.

Die Informationen aus der englischsprachigen Broschüre und das Leitsystem gestalten den Schlossbesuch abwechslungsreich. Gegen Ende erklärt uns ein Guide mit französischen Wurzeln noch einiges auf deutsch zur Geschichte und Bedeutung des Schloss.
1571 dient die Burg als Gefängnis für den abgesetzten, psychisch labilen schwedischen König Erik XIV. Im Jahr 1599 wird das Schloss während eines schwedischen Bürgerkriegs durch heftigen Artilleriebeschuss der Truppen von Karl IX. schwer beschädigt.
Erik XIV. war hochgebildet, künstlerisch begabt, aber psychisch extrem labil. Seine Herrschaft war von tiefer Paranoia gegenüber dem schwedischen Hochadel geprägt. Mehrere Morde an einer adeligen Familie nutzten seine Brüder, um ihn vom Thron abzusetzen, Er wurde auf dem Schloss Kastelholm mit eigenen Hofstaat und unter „königlichen Bedingungen“ mit seiner bürgerlichen Frau und Kindern festgehalten. Als es Bestrebungen gab ihn wieder auf den Thron zu heben und seine psychische Verfassung verschlechterte wurde er mit Arsen vergiftet.

Als die Burg administrativ an Bedeutung verliert, wird sie Schauplatz eines düsteren Kapitels: Unter dem strengen Gouverneur Nils Psilander bricht eine Hysterie aus. Sieben Frauen – darunter als erste Karin Persdotter – werden wegen angeblicher Zauberei und eines „Paktes mit dem Teufel“ zum Tode durch Enthauptung verurteilt.

Karin Persdotter galt in ihrer Gemeinde ohnehin als Außenseiterin. Als im Jahr 1665 Anschuldigungen wegen angeblicher Magie laut wurden, geriet sie ins Visier der Justiz. Unter dem Druck der Verhöre gestand sie schließlich, von einer „weisen Frau“ gelernt zu haben, wie man den
„Näcken“ (einen bösen Wassermann/Naturgeist der nordischen Mythologie) herbeiruft, um Krankheiten zu verursachen.
Das Urteil: Das Gericht verurteilte Karin wegen Hexerei, Abgötterei (Götzenverehrung) und Schadensmagie zum Tode. Das Urteil wurde kurz darauf vom schwedischen Appellationsgericht (Göta hovrätt) bestätigt. Sie wurde durch Enthauptung hingerichtet.

Ein verheerendes Feuer zerstört 1745 fast das gesamte Schloss. Die Verwaltung zieht ab und die Ruine wird aufgegeben. Im 19. Jahrhundert nutzen lokale Bauern die stolzen Mauern pragmatisch als Steinbruch für ihre eigenen Höfe und die Burg dient zeitweise als Getreidespeicher.

In den 1930er Jahren beginnt die erste Instandsetzung; der am besten erhaltene Flügel beherbergt bis in die 1960er Jahre das Kulturhistorische Museum Ålands. In den 1980er Jahren folgen massive archäologische Ausgrabungen und Restaurierungen. Heute ist die Anlage das historisch-touristische Herzstück der Åland-Inseln.

