Das Fjell und ich?

Dieser Frage nachspüren will ich nun versuchen. Wobei verschiedene landschaftliche Bedingungen ob man über der Baumgrenze ist oder nicht und die Witterungsbedingungen eine Rolle spielen. 

Bei der Wanderung auf den Gålhaugen war das üppige Angebot an Blaubeeren die erste Verführung zum inne halten, um zu naschen und ein paar Beeren für ein Müsli mitzunehmen.  Beim Weitermarsch auf die Spitze des Gålhaugen suchten wir uns anhand der ausgetretenen Pfade einen Weg nach oben. Eine zusätzliche Motivation für uns war, dass oben ein Cache wartete. Es ging vorbei an Flechten und Moosen und an den typischen sumpfigen Stellen. Der ständige kühle Wind und geringeren Nachttemperaturen Mitte August geben den Mücken keine Chance. Aus anderen Wanderungen wie im Øvre Dividalen weiß ich, dass sie ziemliche Plagegeister sein können. 

Wir  wandern durch eine Landschaft die farblich aus den verschiedensten grün-, braun- und grau Tönen geprägt ist. Hier auf 900 m Höhe wachsen noch niedere Formen der Birke und in geschützten Lagen stehen noch vereinzelte Nadelbäume. Im Laufe des Tages werden wir noch die Baumgrenze bei ca. 1100 m überschreiten.

Zurück zum Farbenspiel des Fjells. Unsere geballten Wahrnehmungen in der Stadt, die Geschwindigkeit des Lebens, das Erfüllen von Projekten und der Ärger über die chaotische Politik von Kurz und Strache, vernebeln unsere Sinne und Wahrnehmungen. Hier am Fjell oder an der Meeresküste  wird diese Wahrnehmungsspirale zurück geschraubt und mein  Gehirn beginnt sich zu erholen. Ich merke es daran, weil ich die kleinen Farbtupfer der Pflanzen wahrnehme und mir die unterschiedlichen Farbtöne auffallen. Das satte hellgrüne Moos bildet einen wunderbaren Kontrast zu den rötlichen Pflanzen im Vordergrund. 

Beim Aufstieg immer wieder der Blick zurück. Der Ausblick auf eine grandiose Seen- und Waldlandschaft, wo tiefes Blau der Seen und sattes  Grün der Wälder mich in ein Hochgefühl versetzen. Gitti und ich stehen in solchen Momenten stumm neben einander saugen die Eindrücke auf und fühlen uns tief verbunden. Übertroffen wird diese Momentaufnahme auf der Spitze beim traditionellen norwegischen Steinmännchen wenn man dieses Panorama als Rundumblick genießen kann. Beim Fotografieren fühle ich mich hilflos, weil ich diese Eindrücke so nicht festhalten kann, um sie meinen FreundInnen zu zeigen, damit sie etwas von den berauschenden Bildern mitbekommen. 

Für den Rückmarsch wählen wir einen anderen Weg  mit neuen Aussichten und Eindrücken. Wir sehen Landzungen, die in den See hinein reichen, wo einzelne Hütten mit den typischen Grasdächern stehen. In der Hardangervidda sah ich eine Hütte, wo der Besitzer einen Aufstieg für Ziegen aufs Dach gebaut hatte, damit sie ihm das Grasdach kurz halten.

Zu einem anderen Schauplatz unserer Tour etwas früher an einem Parkplatz am Fluss Sjoa. Wir stehen direkt nach einer Brücke. Am anderen Ufer machen sich KanutInnen bereit für ihren Einstieg in den rauschenden und wilden Fluss. Friedlich daneben grast eine Kuhherde. Wir genießen das rauschende, glitzernde Wasser, das sich an den großen Steinen im Flußbett aufschäumt und tosend schnell weiter fließt. Gitti fotografiert die Kühe und verfolgt gespannt ihre Wanderung. Für sie sind sie am richtigen Ufer auf der anderen Seite des Flusses. So kann sie ungestört ihre Bewegungen verfolgen. Hier in den niedrigen Lagen des Fjells trifft man auf Kuhherden. Die typischen Bewohner sind eigentlich die Schafe, die dann gemütlich auf der Straße liegen und manche AutofahrerInnen eine Geduldsprobe abverlangen. Diese kleine Tour war für uns quasi die „Aufwärmrunde“ für die kommenden Abenteuer am Fjell.

Der Höhepunkt heute war sicher unser Stopp auf 1368 m Seehöhe. Im Hintergrund die mächtigen Riesen des Jontunheimen  Nationalparks mit ihren Schneefeldern. Dabei fällt mir die Besteigung des Galhøppingen 1995 mit Klaus, Sieglinde, Gitti und einem Bergführer ein. Hier am Parkplatz genehmigen wir uns eine Kaffeepause und während Gitti den Kaffee zubereitet zieht es mich wie einen Magneten aufs Fjell hinaus. Eine Landschaft mit Steinen übersäht. Dazwischen immer wieder mächtige Steinbrocken, die wie Wächter auf dieses Steinmeer aufpassen. Das Glitzern von kleinen Bachläufen und das saftige Grün an ihren Ufern sind willkommene Farbklekse in dieser Landschaft.

Wir beobachten einen Wanderer, der zu einer Tour in die Bergwelt des Fjells aufbricht. Er hat einen markanten roten Rucksack, der bald als Farbtupfer in der Weite der Stein- und Felsenlandschaft verschwindet. Gitti entdeckt bei einem dieser „Steinwächter“ ein windgeschütztes Platzerl und wir lassen die Sonnenstrahlen auf uns einwirken bevor wir mit der genaueren Erkundung  des Fjells fortfahren. Moose, Flechten und Blumen, die ihre ganze Pracht im kurzen Sommer ausbreiten, bevor der Schnee sie vor dem harten Winter mit seinem weißen Mantel wieder zudeckt. Die Härte des Winters sieht man auch an den großen Steinen, wo das Eis über Jahrhunderte Spalten und Risse in diese Blöcke geschaffen hat.

Diesen herrlichen Tag lassen wir bei der Bitibua bei Pfannkuchen und Erdbeermarmelade ausklingen. 

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