Wir hüpfen wie immer spät aus den Federn und frühstücken gemütlich. Zwischen Ostfriesentee und Kaffee erledigen wir noch ein paar Vereinsangelegenheiten bis wir dann doch gegen Mittag mit dem Bus bis zur Paracelsusstrasse und weiter nach Maxglan fahren. Hier besuchen wir die Gedenkstätte für jene Widerstandskämpfer:innen, die von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Im Mai 1947 wurde das „Rosa Hofmann-Kinderheim“ der Salzburger Kinderfreunde in Maxglan eröffnet und im angrenzenden Park ein Gedenkstein für die Widerstandskämpferin enthüllt. Auf Initiative des Salzburger KZ-Verbandes erweiterte die Stadt Salzburg 2019 den Gedenkstein für Rosa Hofmann zu einem Denkmal für Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Der Kunstraum Salzburg, eine Initiative der Stadt Salzburg für Kunst im öffentlichen Raum, beauftragte die Künstlerin Iris Andraschek. Ihre großzügige Intervention stellt eine Bühne dar, auf der die Namen, Lebensjahre und der Todesort der 18 Salzburgerinnen eingraviert sind.
Unter einem Baum versteckt am Strassenrand, im Schatten kaum erkennbar, steht ein Denkmal, das an das furchtbare Leid jener Roma und Sinti erinnert, die hier im Lager eingesperrt waren.


Das Denkmal steht am Stadtrand, ausserhalb des besiedelten Gebietes, so dass es kaum jemand sieht – aus den Augen, aus dem Sinn und verdrängt.
Die Salzburg Foundation, eine private Initiative, engagiert sich für Kunst im öffentlichen Raum.

Gegründet 2001 versteht sich als Antwort auf Salzburgs traditionelles Mäzenatentum. Mit dem Walk of Modern Art will sie eine Vorreiterrolle in Sachen Kunst im öffentlichen Raum übernehmen. Die Werke gehören heute zur Sammlung Würth und sind an ihren originalen Standorten öffentlich zugänglich.
Die Besonderheit des Projektes liegt auch darin, dass alle Kunstwerke zwar der Öffentlichkeit übergeben, aber vollständig mit privaten Mitteln finanziert wurden. Der „Walk of Modern Art“ umfasst zwölf Werke aus zehn Jahren. Fünf Werke haben wir bei unserer Adventure-Lab-Runde besichtigt.


Das Kunstwerk, das Mozart mit weiblichem Körper und stämmigen Beinen sowie fehlendem linkem Arm zeigt, war ein Ärgernis für viele Menschen. Zwei Monate nach der Enthüllung, im August 2005, wurde die Skulptur mutwillig mit Teer und Federn verändert, die nach der Reinigung fehlende Bemalung wurde nicht mehr erneut aufgebracht.
Die imposante Figur scheint unmittelbar aus dem Boden zu wachsen: „Awilda“, der monumentale fünf Meter hohe Kopf eines jungen Mädchens mit karibischen Gesichtszügen, strahlt eine übernatürliche Ruhe und etwas höchst Rätselhaftes aus.

Eine Gurke ist eine Gurke ist eine Gurke oder eher nicht? Wurm, der bereits sein „Selbstportrait als Essiggurkerl“ inszeniert hat, erklärt für das Kunstprojekt Salzburg die beliebte Essiggurke abermals zum darstellenswerten Motiv und erhebt damit einen allgegenwärtigen, banalen Gegenstand zum Kunstobjekt. Wesentlicher Bezugspunkt ist dabei der Mensch in all seiner Individualität: „Die Faszination an der Vielfalt der Formen, die man nicht ausschöpfen kann, weil keine der anderen gleicht – das hat schon was“, so Erwin Wurm. „Jede Gurke ist individuell verschieden, aber doch sofort als Gurke erkennbar und einem Ganzen zuordenbar…ähnlich den Menschen.“
Die Formen sind so unterschiedlich, wie Gurken und Menschen nun einmal sind: groß und klein, dick und dünn, rau und glatt, schmal und gedrungen. Indem Wurm seine Gurken auf menschliches Maß vergrößert und scheinbar direkt aus dem Asphalt wachsen lässt, inszeniert er sie als Wesen von individuellem Wert. Die Interpretation lässt der Künstler offen. Sie bewegt sich zwischen kritischer Ironie und humorvollem Augenzwinkern: Sind wir nicht alle ein bisschen Gurkerl? (Aus der Beschreibung zu diesem Kunstwerk).

Eine Station aus dem Adventure-Lab im Park des Landeskrankenhauses.

Lotte Ranft gestaltete für den Vorgartenbereich eine großformatige Skulptur, die eine Mutter mit Kind darstellt. Die Mutter ist vor einer Wagenachse positioniert, über ihr schwebt ein Kind mit Tretrad, das von einem Luftballon fortgetragen zu werden scheint, jedoch von der Mutter mit einer Hand festgehalten wird. Die beiden
Räder symbolisieren hier die ineinander verwobenen Lebenszyklen der Figuren. Lotte Ranft thematisiert Entwicklungsprozesse des Erwachsenwerdens zwischen Festhalten und Loslassen als sich ständig in Bewegung befindende und verändernde Beziehungsstruktur.


Dieser Adventure Lab führt in den Würth Skulpturengarten. Dies ist eine öffentlich zugängliche Sammlung Moderner Kunst im Park von Schloss Arenberg. Alle hier ausgestellten Figuren stammen aus der Sammlung Würth. Der Skulpturengarten entstand in Kooperation mit der Salzburg Stiftung der American Austrian Foundation. Die Texte zu den Kunstwerken stammen jeweils von den begleitenden Informationstafeln.


Alfred Hrdlicka
Haarmann (Haarmann und eines seiner Opfer III)
„So suchte ich Anfang der 50er Jahre in den Wiener Fleischhallen nach Inspiration. […] Meine politisch-religiösen Gemälde der frühen 50er Jahre sind deutlich von den Eindrücken dieser Hallen geprägt, und schon zwanzig Jahre vor meinem Plötzenseer Totentanz hatte ich Kreuzigungsszenen mit Fleischerhaken gemalt. Die Nachwirkung auf meine plastischen Arbeiten, die Schächer, den Gekreuzigten und Marsyas, habe ich bereits erwähnt; auch Haarmanns Opfer verdanken ihre unmittelbare Wirkung den Einblicken in das geschundene Fleisch.“
Bernhard Heiliger
Großer Phönix III
Bernhard Heiliger gilt seit den 1950er Jahren als einer der erfolgreichsten Bildhauer der deutschen Kunstszene. Die Textur der Oberfläche bzw. ihre Farbigkeit sind in seinen Bronzen aus den 1960er Jahren von Bedeutung. Der Kontrast zwischen dunklen amorphen und golden glänzenden Flächen beinhaltet die Einbeziehung von natürlichem Licht und führt zu einem lebendigen und abwechslungsreichen Spiel der Oberflächen.

Markus Redl
Stein 134 (Who is next – oder wer würdig ist, wird fahren)
Bianca Carrara Marmor auf Holz, geflammt.
Bevor Markus Redl 2004 sein Diplom bei Erwin Wurm an der Universität der Angewandten Künste in Wien machte, studierte er Psychologie. Seine bildhauerische Praxis ist wesentlich von Literatur beeinflusst. Poesie und Texte, in denen Sprache und Semiotik eine zentrale Rolle spielen, nimmt er als Bezugsquellen an.
Das Müllnerbräu

An den ersten Ausflug mit meinen Eltern und meiner ältesten Schwester an den ich mich erinnern kann, war die Zugfahrt nach Salzburg. Ich war damals 5 Jahre alt, Helga 4. Drei Ereignisse sind mir In Erinnerung geblieben: der Besuch im Zoo, die Wasserspiele in Hellbrunn und der Besuch des Müllnerbräu.
Das Bräustübl ist heute die größte Biergaststätte Österreichs – mit über 5.000 qm Nutzfläche im Inneren des Gebäudes und weiteren 1.400 Sitzgelegenheiten im dazugehörigen Gastgarten. Das Bier kommt aus Holzfässern und wird in Steinkrügen ausgeschenkt. Als wir um 14:20 ankamen wartete schon eine Menschenschlange auf den Einlass um halb Drei. Im Nu war ein Saal gefüllt und wir fanden mit unserem Essen und Getränken Platz am Tisch einer spanischen Familie. Die Lautstärke im Saal und die Schreierei manch männlich dominierter Gruppen mit fragwürdigen Inhaltist zwar eine Zeitangabe ganz interessant, aber dann doch bald genug.